Wadgasser Abteigeschichte

 

Notizen zu dem bekannten Stich aus dem Jahr 1736

 

 

Spricht man von der Abtei Wadgassen - und das ist seit geraumer Zeit dank der nun abgeschlossenen Renovierung des Hofhauses an der Saarstraße und der inhaltlichen Belebung des Gebäudes der Fall - so denkt man auch an jenen monumentalen barocken Bau, der auf einem Stich aus dem Jahr 1736 dargestellt ist. Und auch zu dem heimathistorischen Beitrag von Hartmuth Kastnert in der Saarbrücker Zeitung unter dem Titel „Nach einem Königsgut benannt“ war diese Abbildung mehr als nur reine Illustration.

Man kennt also gemeinhin dieses Bild. Aber eine ganze Reihe historischer Informationen kann zu diesem Bilddokument nachgeliefert werden, die diesen Stich dann in einer erweiterten Sicht erleben lässt.

Da geht es einmal um die ursprüngliche Fundstelle dieser Darstellung. Abgebildet ist dieser Stich in dem zweibändigen Werk „Sacri et canonici ordinis praemonstratensis annales“ des Carolus Ludovicus Hugo. In diesem 1734/36 erschienenen Buch – gleichsam ein Sammelband - sind alle in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts existierenden Prämonstratenserabteien in Text, Illustration und urkundlichen Beweisstücken („probationes“) erfasst und vorgestellt. Aufgezeichnet ist dort unter anderem auch das Kloster Allerheiligen im Schwarzwald, das vom 14. bis 16. Jahrhundert zu der sogenannten Zirkarie Wadgassen gehörte und das in einem auf das Jahr 1732 datierten Stich die imponierenden Ausmaße der gesamten Klosteranlage erkennen lässt. Imponierend ist aber auch - um auf den „Wadgasser Stich“ zurückzukommen - die Darstellung der Wadgasser Abtei auf diesem Stich aus dem Jahr 1736. Michael Tritz, der verdienstvolle Wadgasser Lehrer und Heimatforscher, spricht wohl in seiner „Geschichte der Abtei Wadgassen“ von einem Holzstich. Aber nach einer Expertise zu einem Originalstich, den die damalige Wadgasser Volksbank im Jahr 1985 erwarb, weist das Kunstantiquitariat Peter H. Köhler (Saarbrücken) dieses Werk eindeutig als Kupferstich aus.

Bei der Klärung weiterer offener Fragen um dieses Bild waren es dann ausgesprochene private Ermittlungen, die hier weiter halfen. In Luxemburg wurde man fündig, als es um den Namen des Schöpfer dieses Bildes ging, das mit I.G. Weiser, Kupferstecher aus Luxemburg, signiert ist . In der Zeitschrift „Hémecht - Revue d’histoire Luxembourgoise“ (18. Jahrgang, 1966, Heft 3) gab es die entscheidenden Hinweise auf diesen Johann Georg Weiser, einen aus Kressau in Böhmen stammender Künstler, der sich nicht nur als Kupferstecher hervortat. Er schuf auch eine Reihe von Fresken, so unter anderem in den Kirchen von Itzig, Dalheim und Arlon. Übrigens, Hartmuth Kastner erwähnt in seinem oben erwähnten Beitrag, dass der Luxemburger Bilderstecher das Wadgasser Abteibild im Auftrag des damaligen Abtes Hermann Merz (1705 - 1743) schuf. Hierzu eine sicher interessante Ergänzung: Eben von diesem aus Luxemburg stammenden Abt gibt es auch einen Kupferstich - von Johann Georg Weiser gefertigt und signiert. Man kann also annehmen, dass eine persönliche Bekanntschaft des Luxemburger Abtes mit Weiser zur Auftragsersteilung zur Schaffung des Wadgasser Abteibildes führte.

Und noch ein sicher interessantes Detail! In der Kartusche (schildartige Fläche mit Inschrift, Wappen oder Initialen) zu dem Abteibild steht die Zahl 1003. Deutungsversuche, die in dieser Ziffernfolge nichts anderes als eine Art „Seriennummer“ sehen wollten, blieben ohne fundierten Nachweis. Die Erklärung scheint viel einfacher. Blättert man nämlich den zweiten Band des oben erwähnten Werkes über die Prämonstratenserabteien durch, so stellt man fest, dass der Textteil über die Abtei Wadgassen genau mit der Textspalte 1003 beginnt, mit der Zahl also, die auch in der Kartusche festgehalten ist. Diese Übereinstimmung von Bildnummer und Textspalte – wohl mehr als ein Zufall - lässt also wohl den Schluss zu, dass die angesprochene Nummer die jeweils dem Bild zugeordnete Seite oder Spalte angibt. Und das auch noch zur Ergänzung. Bei späteren Abbildungen des berühmten Stiches taucht gelegentlich die Zahl 1007 auf. Da damals die „Drei“ mit einem waagerechten Strich im oberen Bogen begann, vermutete schon 1991 Herbert Bach, damaliges Vorstandsmitglied der schon angesprochenen Volksbank Wadgassen, dass es sich hierbei lediglich um einen einfachen Übertragungsfehler handelt.

 

Quellen: Micheal Tritz, Geschichte der Abtei Wadgassen, 1901
Peter Schmidt-Thomé/Hugo Schneider, Geschichte des Klosters Allerheiligen

 

 

 

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